Knappenman XXL

Yeah – I did it !!! Was für ein unglaublicher Tag dieser 29. August 2015.

9:23:33h.

Da steht es schwarz auf weiß. Eine Zielzeit, an die ich nicht einmal auch nur ansatzweise gedacht hatte, als im November 2014 die Vorbereitung auf diese Langdistanz begann.

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Vor einem Jahr an gleicher Stelle finishte ich meine erste Triathlon Langdistanz in einer für mich akzeptablen Zeit von 10:33h. Als Triathlon Quereinsteiger lief es damals eigentlich ganz rund. Dennoch machte ich einige Anfängerfehler, die sich auf der Marathonstrecke bitter bemerkbar machten. Es folgten die wohl härtesten 4 Stunden meines Sportlerlebens. Was ich jedoch aus diesem Rennen mitnahm war erstens die Gewissheit einen Ironman finishen zu können und zweitens die Aussicht es noch schneller und besser zu schaffen, wenn ich aus meinen Fehlern lerne und einige Dinge in der Vorbereitung verbessere.

So dauerte es damals keine 24 Stunden und die Anmeldung für 2015 war ausgefüllt. Das Ziel für die nächsten 10 Monate war klar – sub10h. Dies ist für viele ambitionierte Triathleten so etwas wie die magische Grenze. Danach wird es einstellig… 9:59h sieht einfach besser aus als 10:01h. Ist halt alles reine Kopfsache.

Der Knappenman ist eine top organisierte Veranstaltung. Mit 1000 Teilnehmern, die sich auf den verschiedensten Strecken über das ganze Wochenende verteilt tummeln, hat der Knappenman in den letzten Jahren immer mehr an Zulauf gewonnen. Dennoch ist die Atmosphäre familiär, was
man besonders im Start-/Zielbereich spürt. Jeder Teilnehmer wird hier persönlich vom genialen Moderations-Duo Stefan Bräuer und Markus Roder auf die nächste Rad-/Laufrunde geschickt oder im Ziel begrüsst. Es ist nicht das Mega Event wie Roth oder Frankfurt. Dafür hat man als Athlet aber ganz kurze Wege. Ob Anmeldung oder Check-in, alles ist dicht beisammen. Keine riesigen Wege und keine Menschenmassen, man kann sich voll und ganz auf seinen Wettkampf konzentrieren. Die Bedingungen auf den einzelnen Strecken sind hervorragend. Sauberes, klares Wasser, 1a Asphalt und nur wenige kleine Hügel.

Die Wetterprognosen für den 29.08.2015 waren für eine Langdistanz schon fast zu gut. Fast wolkenloser Himmel, kaum Wind und Temperaturen am Nachmittag von 30 Grad. Puuuh. Aber irgendwie waren in diesem Jahr fast alle meine Triathlon Wettkämpfe Hitzeschlachten, wenn ich an die Olympische Distanz in Storkow bei 38 Grad oder die Halbdistanz in Obertrum bei 35 Grad zurückdenke. Das war schon heftig, aber vielleicht auch eine super Vorbereitung auf die nun folgenden Stunden.

FB_IMG_1440879629051Pünktlich um 7 Uhr wurde dann eine übersichtliche Anzahl von Langdistanz-Athleten auf die 3,8km lange Schwimmstrecke geschickt. Das Wasser hatte angenehme 22 Grad. Neopren war also erlaubt, für die Meisten eine gute Nachricht. Am Vortag hatte es noch geregnet und es war mit ca. 18 Grad
draußen auch kälter als im Wasser. Das bedeutet aber meist dass sich auf Seen Nebel bildet. Und so war es auch. Die Bojen wurden vor dem Start sicherheitshalber noch zusätzlich mit neongelben Markierungen versehen. Zumindest die erste Boje war beim Start noch sichtbar, der Rest wird sich schon ergeben 🙂

Dann ging es endlich los. Ich fand sofort in meinen Schwimm-Rhythmus hinein, ich reihte mich so an Position 10 ein. Der Nebel wurde nach wenigen Minuten immer dichter, mehr als den direkten Vordermann sah man kaum noch. FB_IMG_1440879647751An der Spitzes des Feldes fuhr ein Boot, dem alle Schwimmer blind folgten, leider hatte aber auch der Bootsführer keine Sicht und driftete langsam vom Kurs ab. Irgendwann sah er dann wohl wieder die nächste Boje und änderte die Richtung. Es war ein Zickzack Schwimmen auf dem ersten Kilometer. Da man als Schwimmer aber keine Orientierungspunkte hatte, bemerkte man dies kaum. Erst die abendliche Auswertung der GPS Daten zeigte die Nebelauswirkungen deutlich 🙁 Es waren 150m Extrameter, die wohl jeder im Feld geschwommen ist. Im Nachhinein hörten wir dann das die Kampfrichter das Schwimmen eigentlich nach der ersten 1,9km Runde abbrechen wollten.

IMG-20150831-WA0000Doch kurz bevor der erste Schwimmer hier aus dem Wasser kam brach die Sonne durch und der Nebel verschwand innerhalb von Minuten.

In der zweiten Schwimmrunde waren so beste Bedingungen. Ich fühlte mich von Anfang bis Ende sehr gut im Wasser, das viele Schwimmtraining der letzten Wochen zeigte deutlich seine Wirkung. Nach 1:04:40h verließ ich das Wasser und machte mich auf den Weg in die Wechselzone. Vor einem Jahr brauchte ich noch 6 Minuten mehr. Damit war die Grundlage für einen erfolgreichen Tag gelegt.

Aber was sind schon 6 Minuten bei einer Zielzeit von 10 Stunden. Nichts! Daher Ruhe bewahren und konzentriert die 180km auf dem Rad angehen.

5b523bf4af44a950fa81e94cb3d2eb88__K_00140Wahrscheinlich hatte ich im letzten Jahr gerade auf der Radstrecke wegen ungenügender Vorbereitung und falscher Ernährung die Grundlage für einen verkorksten Marathon gelegt. Daher hatte ich in der Vorbereitung hier besonders viel gearbeitet und mit der Verpflegung experimentiert. Es gibt ja Riegel, Gels und alles mögliche in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen mit oder ohne Koffein, Glukose ja, Fruktose nein oder beides zusammen oder das Ganze doch lieber als langkettige Kohlenhydrate, mit etwas Protein dazu oder auch hier ganz ohne, mit Salz oder ohne … usw, usw.

Kurz gesagt man ist schlichtweg überfordert. Aber meistens hilft wie immer der gesunde Menschenverstand. Hervorragende Leistungen gab es lange bevor die Industrie die Sportnahrung für sich entdeckte 🙂 Da man einige Zeit unterwegs ist, sollte das was man isst auch schmecken – so gab es bei mir unterwegs Eierkuchen. 6 Stück hatte ich mir in der Wechselzone in meinen Einteiler gesteckt. Mit der Konsistenz und Zutatenliste hatte ich lange probiert und dann die für mich optimale Lösung gefunden. Kulinarisch waren die 180km ein Genuss, ca. 2 Stunden vor dem Radabstieg beendete ich das große (Fr)essen. So hatte der Magen noch genügend Zeit zu verdauen.

22179720_9265Die Radstrecke ist ein ca. 30km langer Rundkurs der 6-mal zu durchfahren ist. Es gibt auf der Runde einige kleine Hügel mit bis zu 5% Steigung, dennoch ist die Strecke flach. Aufsummiert kommen aber am Ende trotzdem 400 Höhenmeter zusammen, die jedoch sehr gut verteilt sind. Man kann sehr gleichmäßig fahren. Und genau das war mein Plan… gleichmäßig fahren, mit defensiven ersten 40-50km.

Im letzten Jahr fuhr ich eine eher mäßige 5:23h. Laut Plan sollte es eine 5:10h werden, für den besten Fall eine 5:05h.
Das Radtraining lief in diesem Jahr erstmals größtenteils wattgesteuert. So habe ich mich ausgehend von meiner im Juni ermittelten FTP von 231W auf ca. 80% für die Langdistanz festgelegt, was ca. 185W sind. Ich hatte jedoch im Hinterkopf dass diese FTP wahrscheinlich nicht mehr 100%ig passt, da
das Radtraining im Juni/Juli sehr gut war. Innerlich hatte ich mir 190W für das Rennen im besten Fall vorgenommen.

22182639_9273Nach 100km lag die durchschnittliche Leistung bei 200W. Ich fühlte mich top, steuerte jetzt aber doch entgegen, da mir dies etwas zu heftig erschien. Auch die Durchgangszeit von 2:25h zur Hälfte zeigte dass ich erheblich schneller war als geplant. Einerseits zwar ein schönes Gefühl andererseits aber auch beängstigend da man den Marathon noch im Hinterkopf hat und genau weiß was passiert, wenn man sich auf der Radstrecke abschießt.

Also nahm ich etwas Druck vom Pedal und fuhr die zweite Hälfte deutlich defensiver. Nach 4:53h stieg ich schließlich vom Rad. Eine irre Zeit, mit der ich nicht ansatzweise gerechnet hätte. Der perfekte Verlauf von Schwimmen und Rad sorgte außerdem dafür das ich mich vor dem abschließenden Marathon plötzlich in den Top Ten befand. Nach dem Schwimmen noch auf Platz 12 ging es auf dem Rad auf Position 9 nach vorn.

FB_IMG_1440879764803Doch wie wird der Marathon laufen??? Die Uhr zeigte nun 13 Uhr und das Thermometer war inzwischen auf knapp 30 Grad gestiegen, zudem war es wolkenlos und die Sonne schien nun erbarmungslos. Die Laufstrecke war ein 10,5km Rundkurs – flach und asphaltiert. Das mag ich. 4km waren immer schattig, danach 6,5km in der prallen Sonne – kein Wind. Hier liegt das EnergyLab des Knappenman, wo man 4x durch muss.

FB_IMG_1440959919575Sinnvoll ist es sich die Strecke im Kopf in viele kleine Etappen zu zerlegen und diese Stück für Stück zu bewältigen. Mit einer Rennzeit von 6 Stunden und 2 Minuten verließ ich die Wechselzone in Richtung Laufstrecke. Ich merkte bereits nach wenigen Metern, dass es sich besser anfühlte als ein Jahr zuvor. Die Beine waren noch recht locker und ich pendelte mich genau auf einer 4:45min/km ein. Das war in etwa das, was ich auch erwartet hatte.

Zugegeben es war verdammt heiß, aber wenn es läuft dann läuft es eben – positive thinking bringt den Rest. So liefen die ersten 20km locker durch. Immer schön in gleichmäßigen Abständen Salz, Gel, Wasser und den Kopf kühl halten.

Irgendwann fing das Rechnen dann an. Spätestens jetzt war klar die sub10h ist heute allemal drin. Selbst wenn die Kilometerzeit nun rapide bergab gehen würden, wäre dies noch zu schaffen. Die Vorfreude das Hauptziel zu erreichen, setzte dann auch noch die letzten Reserven frei. Die letzten 2 Runden waren hart, ja na und – nach 8 Stunden Wettkampf völlig normal. Aber der Kopf gab grünes Licht und die Beine funktionierten einfach. Fast unbemerkt hatte ich mich auf Platz 6 vorgeschoben. Mittlerweile waren auch viele Sportler von der Mitteldistanz (Start war 4 Stunden nach uns) auf ihren letzten Laufkilometern. Ist schon ein Ding wenn man 90% von ihnen beim Laufen überholen kann, obwohl man erheblich mehr Kilometer auf dem Tacho hat.

Auf meiner letzten Laufrunde wurde mir endgültig klar es geht in Richtung sub9:30h. Was für eine Zahl! Man kann es kaum in Worte fassen und wahrscheinlich wird man so etwas auch nur äußerst selten erleben (vielleicht nie wieder), der Körper ist geflutet von Glückshormonen. Und das nach fast 9 Stunden Sport am Limit. Es ist wie ein Rausch. Einzigartig. Und das Coole daran ist, der Zustand hält noch viele Stunden und Tage an. Eigentlich bis heute noch.

Das Tempo ging auf den letzten Kilometern noch einmal deutlich nach oben und nach 9:23:33h war es vollbracht. Ein Wahnsinn. Ach so, den abschließenden Marathon konnte ich mit einer ganz guten 3:20h durchlaufen, was am Ende des Tages Gesamtplatz 6 / AK-Platz 2 bedeutete.

Es war ein perfekter Tag an dem einfach alles passte (bis auf den morgendlichen Nebel vielleicht). Aber gerade das rundet die Sache vielleicht so richtig ab. Der Athlet, die Leistung und das Training ist das eine – doch ohne helfende und moralische Unterstützung von außen geht gar nichts. Und davon hatte ich mehr als genug.

Kerstin und Linus standen den ganzen langen Tag an der Strecke und versorgten mich an den markierten V-punkten hervorragend. Wie gesagt ein Sommertag mit 30 Grad und knalliger Sonne. Der See war nicht weit… man kann einen solchen Tag auch anders verbringen.

FB_IMG_1440959954406Und dann standen meine Vereinskameraden der Bernauer Lauffreunde in jeder Runde am Streckenrand und veranstalteten ein riesen Spektakel. Ich hörte sie immer schon von weitem. Was für ein Support. Danke ihr Lieben – das war Motivation und Gänsehaut pur.

Mit Stefan Bräuer als Moderator im Start-/Zielbereich hat jeder Athlet sowieso beim  Durchfahren/-laufen das große Los gezogen. Eine unheimlich stimmungsvolle und kurzweilige Moderation, eigentlich ein Motivator und Moderator, der Stefan.
Und dann waren da noch so viele andere Freunde am Streckenrand… die Lausitzer Laufpiraten am V-stand, Katrin, Romy, Rodger und und und… Seid alle sicher, ich werde diesen Tag und auch euren Beitrag dazu lange, lange nicht vergessen.

20150829_184804Wie es nun weiter geht und was in 2016 ansteht? Ich weiß es noch nicht. Ich muss das erst mal sacken lassen. Es wäre vermessen nun die nächste sub X.XX auf die ToDo Liste zu setzen. Ich weiß, dass ich mich am oberen Limit bewegt habe und vieles zusammen kommen muss, um überhaupt noch einmal in diese Region vorzustoßen. Aber ohne Zielsetzung funktioniert es bei mir auch nicht. Ich brauche ein Ziel auf das ich hin trainieren kann. Es muss auch nicht immer eine LD sein, obwohl dies natürlich die Champions League ist. Wir werden das in der Familie in den nächsten Wochen besprechen und dann das Jahr 2016 durchplanen.

KnappenMan XXL – es ist geschafft!

Bewusst habe ich erst einmal einige Tage vergehen lassen. In der ersten Euphorie neigt man oft zu Übertreibungen, was natürlich auch für den umgekehrten Fall gilt. Aber auch mit einigem Abstand hat sich nicht viel an den erlebten Eindrücken geändert.

IMG-20140830-WA0000Der 30. August 2014 bleibt ein unvergessener Tag in meinem Sportler-Leben. Ich habe mein großes Ziel „einfach Ankommen“ mit einer 10:33h nach 226km erreicht, nicht locker und leicht, dass auf keinen Fall, aber auch nicht so, dass es meine letzte Langdistanz war. Im Gegenteil kurz nach dem Finish nahm ich den Stift in die Hand und füllte die Anmeldung für 2015 aus.

Am 30.8. schloss sich ein Kreis, der im Vorjahr an gleicher Stelle begonnen hatte. Ebenfalls beim KnappenMan bestritt ich mein erstes Triathlonrennen überhaupt. Es war die halbe Langdistanz – 70.3. Der Entschluss dazu fiel relativ kurzfristig ein paar Wochen zuvor. So ging es damals mit minimaler Vorbereitung und ohne Erfahrungen auf die Strecke. Schon im Ziel war mir damals klar, Triathlon und ich das passt zusammen. Eine späte Liebe… war ich doch in den letzten Jahren ausschließlich als Läufer unterwegs.

Die Bewunderung und Faszination der Tri-LD Athleten war irgendwie schon immer da. Bilder aus Hawaii taten ihr übriges dazu. Die Frage, ob man selbst im Stande ist, dies auch einmal zu schaffen, stand daher schon immer im Raum. Mit der Euphorie des ersten Tri-Zieldurchlaufes entschied ich mich relativ spontan im Herbst 2013 für das Abenteuer KnappenMan XXL 2014. Die folgenden Monate brachten mein gewohntes „Läufer-Leben“ ziemlich durcheinander und ich begann in dieser für mich neuen Sportart praktisch bei Null.

Selbst das Minimalziel „Ich will ankommen“ muss entsprechend vorbereitet werden. Der Aufwand sollte sich aber auch irgendwie in das normale Leben integrieren lassen.  Es galt die Zeiträume für das Training anders als bisher zu organisieren. War es in den letzten Jahren „nur“ das Lauftraining, so sieht ein Triathlon Trainingsplan doch ganz anders aus. Letztendlich war der Zeitaufwand dann doch um einiges höher als in den Jahren zuvor. Dennoch ließ sich auf meine gute Grundlagenausdauer ganz gut aufbauen. Im Laufe des Jahres nutzte ich einige kürzere Duathlon und Triathlon Wettkämpfe von der Olympischen bis zur Mitteldistanz, um gewisse Abläufe einfach unter Wettkampfbedingungen zu testen. Mit jedem Wettkampf wuchs die Sicherheit und auch die Liebe zum Triathlon.

So ging es relativ unspektakulär durch das (Sport)-Jahr 2014. Bedingt durch viele berufliche und familiäre Termine musste der „perfekte“ Trainingsplan immer wieder angepasst werden. Viele Einheiten mussten ausfallen oder irgendwie modifiziert werden. Der letzte Aufreger kam dann pünktlich 16 Tage vor dem Tag X. Der Hals kratzte und eine leichte Erkältung mit einem fiesen Reizhusten stellte sich ein, der mich bis zum Wettkampftag begleitete.

Die Wetter Aussichten für den 30.8. waren durchwachsen. Ein wolkiger Tag mit etwas Regen sollte es werden… naja wurde es auch.

IMG_60379676778992Nach einer schlaflosen Nacht, war ich dann pünktlich um 5.45 Uhr beim Check-in. Es hatte schon irgendwie etwas skurriles, praktisch im Dunkeln fing die Vorbereitung auf diesen längsten Tag des Jahres an. Der Himmel war wolkenverhangen, so dass alles noch einen Touch dunkler wirkte. Die letzte Stunde verging dann recht zügig. Kurz vor 7.00 Uhr trafen sich dann ca. 50 verrückte oder begeisterte Triathleten (ganz wie man will) am Strand, um diesen Tag in Angriff zu nehmen.

War vor einem Jahr das Schwimmen noch der größte Unsicherheitsfaktor, so hatte ich in diesem Jahr ein gutes Gefühl. Gerade im Schwimmbereich hatte ich viel gearbeitet. Ein exakt vermessener 1,9km Dreieckskurs war 2x zu durchschwimmen. Nach der ersten Runde ging es kurz aus dem Wasser raus und dann durch das Start-Tor erneut ins Wasser. Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigte knapp 35 min. Wow. Im letzten Jahr bei der Mitteldistanz kam ich völlig platt nach knapp 45min aus dem Wasser. Das sorgte für die nötige Motivation für die zweite Runde. Diese lief nach dem gleichen Schema… locker schwimmen und nicht verkrampfen. Nach 1:10h waren die ersten 3,8km des Tages geschafft. Viel schneller als ich es mir im besten Fall ausgerechnet hatte.

Der Wechsel auf das Rad zog sich dann etwas hin. Zum Einen wollte ich Hektik bewusst vermeiden. Was sind schon ein paar Sekunden in Anbetracht der Gesamtdauer des Rennens. Zum Anderen entschied ich mich noch ein paar Armlinge und eine Weste überzustreifen. Es war noch ziemlich kühl an diesem Morgen und Regen setzte ein.

Auf den ersten 60km gab es dann ordentlich was auf die Mütze von oben. In einigen spitzen Kurven musste man nun höllisch aufpassen. Im Verlauf des Radpartes kam dann doch die Sonne langsam raus und die Straße trocknete ab. Nach und nach flogen dann auch die zusätzlichen Sachen in Richtung Betreuer.

Auf dem Rad legte ich dann wohl auch die Grundlagen für ein ziemlich durchwachsenes Marathonrennen. Das die gesamte (feste) Nahrung nur auf dem Rad vernünftig aufgenommen und hoffentlich auch einigermaßen verdaut wird, war klar. Im Vorfeld hatte ich einige Riegel, Gels und Getränke getestet und mir eine Strategie zurecht gelegt. In festen zeitlichen Abständen nahm ich immer wieder etwas zu mir. Ich weiß nicht warum, aber irgendwann zur Hälfte des Rennens griff ich am Verpflegungsstand noch zusätzlich zur Banane. Es war irgendwie das schlechte Gewissen zu wenig auf dem Rad zu essen. Bis zum Ende der 180km schob ich so zusätzlich zum Plan 2 Bananen rein. Im Nachhinein echt blöd von seiner Strategie abzuweichen, aber während des Rennens herrscht wahrscheinlich Blutleere im Hirn und man tut seltsame Sachen.

Mit einer durchschnittlichen Rad-Zeit von 5:21h beendete ich die 180km und schob mein Rad hinein in die Wechselzone zum letzten Wechsel. Eigentlich sollte nun für mich als Ex-Läufer der leichteste Teil der Langdistanz folgen. Klar Marathon ist schwer, erst Recht mit entsprechender Vorbelastung, aber nach unzähligen Marathons hat man so etwas wie Routine – denkt man. Aber es gibt halt immer wieder neue Situationen auf die man sich einstellen muss.

IMG-20140831-WA0001Schon auf den ersten Metern merkte ich, dass es nicht leicht werden würde. Mein Magen sendete keine guten Signale. Er fühlte sich verkrampft an und ich hatte das Gefühl gerade eine riesige Mahlzeit eingeschoben zu haben. Jeder Schritt tat weh und durchzog den gesamten Rumpf. Ein Laufen mit permanenten Seitenstichen – so fühlte es sich an. Leider zog sich dieses Gefühl fast durch den gesamten Marathon. Erst ab Kilometer 35 war wieder halbwegs vernüftiges laufen möglich. Und so war die letzte Teilstrecke des Tages ein absoluter K(r)ampf. Wenn gar nichts geht, muss man versuchen in möglichst kleinen Abständen und Zielen zu denken. Das tat ich dann auch. Ich hangelte mich von VP zu VP. Mehr als ein kleiner Schluck Wasser war jeweils nicht drin. Aber ein kühlender Schwamm war immer ein lohnendes Ziel.

Hatte ich anfangs wirklich große Zweifel, ob ich den Lauf unter diesen Bedingungen bis zum Ende durchbringe, wurde meine Zuversicht von Runde zu Runde größer. Eine 10,5km lange Schleife war insgesamt 4x zu durchlaufen. Auf der letzten Runde setzte dann das ein, was wohl den Reiz einer solchen Langdistanz ausmacht. Jeder Schritt, der mich näher in Richtung Ziel brachte, setzte im Körper Endorphine frei. Der schleppende und quälende Gang ging wieder in einen flüssigen Laufstil über. Plötzlich waren die Probleme der letzten Stunden wie weggeblasen. Es ist schier unglaublich, was in dieser Zeit im Körper abgeht. Wie im Rausch ging es auf die letzten Meter. Da war es also das Gefühl von dem man schon soviel gelesen und gehört hat. Ein Wahnsinn.

IMG-20140830-WA0004Beim Zieleinlauf warteten bereits meine beiden Jungs auf mich und liefen die letzten Meter mit mir zusammen ins Ziel. Die Anspannung der letzten Wochen und Monate löste sich mit einem Schlag und ein paar Freudentränen flossen schon vor dem Zielstrich. Nach 10 Stunden 33 Minuten und 46 Sekunden war der längste Tag des Jahres für mich geschafft. Das Dauergrinsen ging erst nach einigen Tagen langsam wieder aus dem Gesicht.

Es war ein unvergesslicher Tag. Mit Sibylle und Tino waren noch zwei bekannte Gesichter unterwegs. Auch für Tino war es die Premiere. Das Gute an Rundkursen ist, dass man sich im Laufe der Zeit immer wieder begegnet. So konnten wir uns gegenseitig immer wieder pushen und motivieren. Danke an Sibylle und Tino für diesen gemeinsamen Tag, der einfach geil war.

Apropros Dank. Der größte Dank gebührt wohl meiner Kerstin, die mich auf dem Weg zum Ironman unterstützt hat. Der zeitliche Aufwand der letzten Monate war schon enorm. Und so wie der Formaufbau schwankt, so schwankt auch die Stimmung eines jeden Sportlers. Immer wieder Motivationslöcher, Selbstzweifel und totale Erschöpfung nach hartem Training. All das zu Ertragen war sicher nicht einfach. Ich weiß nicht, ob dies beim zweiten Anlauf besser werden wird, aber ich werde mich bemühen… Im endorphin-gesättigtem Zustand habe ich mich doch glatt für 2015 wieder angemeldet.

 

 

 

 

Triathlon, nun hat es mich auch gepackt

Mir geht es wohl wie vielen anderen auch. Die Triathlon Faszination ist groß. Spätestens nach dem Olympiasieg von Jan Frodeno 2008 in Peking. Eine unglaublich dynamische und abwechslungsreiche Sportart, die mehr ist als nur schwimmen, biken und laufen. Es ist halt nicht mit einer Badehose, einem Fahrrad und ein paar Laufschuhen getan.

Und so hat es auch bei mir noch eine kleine Ewigkeit gedauert bis die Pläne für den ersten Start konkreter wurden. Doch dann ging alles ganz schnell.
 

Zugegeben der Plan gleich mit einer Halbdistanz zu starten, klingt schon etwas verrückt. Schließlich sind 1,9km Schwimmen, 90km auf dem Rad und noch 21,1km Halbmarathon wirklich nicht ohne. Aber gerade da liegt doch die Herausforderung. Und Ausdauersportler sind ja von Hause aus etwas verrückt.

 

Eigentlich war es in jedem Jahr das Gleiche. Man müsste ja mal, man könnte ja mal… Und schwups war es September und die Tri-Saison war zu Ende. In diesem Jahr reifte im Juni der Entschluss das Projekt Triathlon endlich anzugehen. Im Juni konnte ich im Urlaub fast jeden Tag schwimmen. Ich wusste schon vorher, dass ich nicht der Top Schwimmer bin, aber die Frage war vielmehr – reicht es für 1,9km Freistil aus. Und so zog ich meine Bahnen – hin und her – nach 2 Wochen waren stattliche 30km zusammengekommen. Das beruhigte mich innerlich eigentlich sehr. Ziel des ersten Triathlons sollte doch schließlich nur ein Finish ohne Quälerei sein.

Im Juli und August ging’s dann noch verstärkt auf’s Rad um möglichst viele Kilometer auf dem Zeitfahrrad zu machen. Auch hier war das Ziel: durchstehen und schauen ab wann Hintern und Rücken anfangen zu schmerzen:-)

Zum Glück musste ich der Lauferei in dieser Zeit nicht auch noch eine solch große Aufmerksamkeit schenken. Das Lauftraining lief etwas reduziert, aber eigentlich wie gewohnt ab. Das Gute daran war sogar, dass die etwas geringere Laufbelastung sich sofort positiv auf einige Langzeitbaustellen am geschundenen Läuferkadaver auswirkten. Und so heilte in dieser Zeit meine gereizte Achillessehne, die mich das ganze Frühjahr nervte, ordentlich aus.
 

Ein Event für die Premiere war auch schnell gefunden. Der KnappenMan im Lausitzer Seenland sollte es sein. Nebenbei stellten wir auch noch unser Jolsport Expo Zelt auf das Eventgelände am Dreiweiberner See. Das war somit eine ordentliche Ladung Anspannung, Stress und Belastung für dieses Triathlon Wochenende.

Schon am Freitag fuhren wir in Richtung Lausitz, um am Abend den Jolsport Messe Stand aufzubauen. Gleichzeitig war das Expo Zelt auch die Unterkunft für die beiden folgenden Nächte – Schlafsack und Luftmatratze:-)

 

Nach einer recht kurzen und am Ende recht kalten Nacht war er da – der Tag X. Start war um 11 Uhr. Vorher um 7 Uhr wurde die Langdistanz gestartet. Die Zeit bis zum Start verging dann recht schnell. Ich muss sagen, ich war recht gut vorbereitet. Hatte mir eine Kiste mit den wichtigsten Sachen gepackt, die ich in der Wechselzone brauchen würde. So verlief der Check-in reibungslos. Ein Blick nach rechts und links beim Einrichten des persönlichen Bereiches brachte dann noch die ein oder andere Idee zur Optimierung.

Kurz vor 11 Uhr ging es dann runter in Richtung See zur Einweisung. Etwas exotisch kam ich mir dann doch vor. Von den ca. 150 Startern starteten gefühlte 149 im Neoprenanzug. Ok, ganz so schlimm war es nicht, aber ungefähr 10 Athleten verzichteten darauf. Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund wie ich: Anfänger und „Nicht-Neoprenanzug-Besitzer“.
 

Man hörte ja im Vorfeld viel über die Schlacht im Wasser auf den ersten Metern. Naja wird schon nicht so schlimm sein, dachte ich, viel Legende und Prahlerei dabei. Trotzdem stellte ich mich an den äußersten Rand und auch nicht in die erste Reihe. Dann der Start und nach den ersten ins Wasser laufenden Metern dann der Sprung ins Wasser und los ging die Kraulerei und Klopperei. Das Wasser begann zu brodeln. Und trotz meiner hinteren Startposition gab es noch bessere Schwimmer hinter mir. Die kamen dann auch auf den nächsten Metern. Schläge links, Schläge rechts, Schläge auf die Füße – einer meinte man müsse nichts rechts oder links vorbei – nein die direkte Linie zählt. Also ist er direkt über mich rüber. Nach einer kurzen Tauchphase ging’s wieder an die Wasseroberfläche. Erstmal Luft holen. Ein Blick nach hinten verriet – fast das gesamte Feld war vor mir. Das fing ja gut an.

Das Gute daran war, ich konnte meinen Rhythmus dann in aller Ruhe aufnehmen. Besonders hinderlich waren an diesem Tag die extremen Wellen. Die Schwimmstrecke verlief exakt parallel zu den Wellen. So war ein Arm meist auf dem Wellenberg, während der Andere sich im Tal befand. Die Orientierungsbojen waren zudem viel zu klein, man sah sie auf der Strecke nicht. Das war jedoch egal, musste ich doch nur den anderen Schwimmern hinterher. Es gelang mir sogar noch an einigen Schwimmern vorbei zu kommen. Berauschend war die Schwimmleistung jedoch nicht. Nach 44:22min kam ich schließlich als 109 von 134 Männern aus dem Wasser.
 

Innerlich war für mich nun das Schlimmste überstanden und die Anspannung fiel nun entgültig ab. Es ging in die Wechelzone und auf’s Rad. Die 90km vergingen dann wie im Flug. Es ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man das Feld von hinten aufrollen kann, besonders für die Psyche. Da ich dies vom Laufen her eigentlich nicht kenne, war es eine ungewöhnliche, aber absolut geniale Erfahrung. Mit jedem Athleten, den man überholt steigt die Lust auf mehr. Und plötzlich sind auch Kräfte verfügbar, die man sonst wahrscheinlich nur schwer mobilisieren könnte. Und so fuhr ich eine für mich noch nie erreichte Zeit von 2:28h über die 90km. Immerhin Platz 38 von 134 Startern.

Dann ging es endlich auf die Laufstrecke. Hier fühle ich mich doch am wohlsten. Mittlerweile war es schon nach 14 Uhr und die Sonne meinte es an diesem Tag doch noch einmal recht gut. Schatten gab es wenig auf der Strecke. Das Überholen setzte sich auch hier fort. Erstaunlicherweise konnte ich die erste Hälfte des Halbmarathons noch mit einem 4:05min/km Schnitt anlaufen. Nach ca. 13km setzte plötzlich heftiges Seitenstechen ein. Ich musste stehenbleiben und kam erst wieder äußerst langsam ins Laufen zurück. Ganz weg gingen diese Beschwerden bis zum Schluss nicht mehr. Man ist danach auch auf’s äußerste sensibilisiert und hört genau in den Körper hinein. Schon beim kleinesten Zucken oder Ziehen macht man sich sofort so seine Gedanken.
 

 

Trotzdem reichte es am Ende noch zu einer 1:33iger Zeit. Immerhin waren nur 16 Starter auf der Laufstrecke schneller gewesen. Mit 4:46:18h lief ich somit genau auf Platz 30 ein. In meiner Altersklasse war dies der 4.Platz. An anderen Tagen hätte ich mich vermutlich darüber geärgert. Anders jedoch hier. Ein Gefühl aus innerer Zufriedenheit und Stolz machte sich breit. Und die Erinnerungen an den Wettkampf sich durchweg positiv. Ich denke, dass war der erste Schritt. Nun können die Planungen für die nächste Saison beginnen…